Schnupfen am Polarkreis
Uiuiui, war´s hier ruhig die letzten Wochen.
Aber nachdem ich schon das Oasis-Konzert rezensiv (das Wort gibt´s nicht!) ausgelassen habe, möchte ich mit einem Bericht über das soeben zuende gegangene Konzert von “Polarkreis 18*” nunmehr und endlich meine eigene redaktionelle Wiederauferstehung feiern.
“Polarkreis 18″, derzeit gehypted von MTVIVA, sowas wie Stars in der Zahnspangengeneration (gab sicher auch schon ´nen Bravo-Starschnitt) und trotzdem Lieblinge in den Avantgarde-Redaktionen von Spex, Intro & Co.
Punkt 9 und mit viel Trara ging´s los in der ausverkauften Batschkapp, die mal wieder – man is es ja mittlerweile gewohnt – viel zu voll war. Charakteristisch die Wand aus Musik und Samples von Beginn an und charakteristisch auch die Stimme des Sängers, die wahrlich imposant, nach eineinhalb Stunden dann aber auch schon etwas nervig wirkte (ob der Sopran wohl auf das tight sitzende Kostüm zurückzuführen ist?). Hochprofessionell gaben sich dabei die sechs Jungs aus Dräsdn, auch wenn sich in den Ansagen (“Gudän Obänd Frongford”) die Herkunft nicht immer verleugnen ließ.
Insgesamt aber durchaus beeindruckend das, was die Kollegen da ablieferten, wenn auch immer ein Tick zu steril. Und irgendwie, ja irgendwie fehlen (wie auch schon beim Durchhören der CD) ein bissel die Allein(allein-)stellungsmerkmale der Songs. Jede Nummer klingt fett – zweifelsfrei – aber kann ernsthaft jemand anschließend noch sagen, welches Lied ihm am Besten gefallen hat? Also ich nicht**…
Dieses Phänomen lässt sich auch dadurch bestätigen, dass gefühlte 90% der Zuschauer wohl ganz offensichtlich nur auf das einzige Lied gewartet haben, das sich vom Rest klar und deutlich abhebt; albern dass sich einige derer auch nachdem “Allein, allein” endlich gespielt wurde (sehr ordentlich!) immer noch nicht entblödeten, in jeder Pause durch Rufen eben jener Worte eine Wiederholung zu fordern. Sowas gibt´s sonst wohl nur bei den Wildecker Herzbuben. Und ich befürchte fast, dass – sofern noch nicht in der aktuellen Karnevalsaison geschehen – spätestens auf jedem Schützenfest im Sommer, bei jedem Autoscooter-DJ dieser Republik diese Nummer ganz oben auf der Playlist stehen wird. Schade eigentlich…
Zusammenfassend aber ein durchaus interessantes, weil musikalisch anspruchvolles Konzert, wenngleich a.) der Funken nur selten übersprang und b.) der eigene Hit der Band die Luft zum Atmen nimmt.
Bleibt abschließend noch Folgendes festzustellen:
- In der Batschkapp liegen die Gaderoben außerhalb
- Auch Mädels werden bei Taschen- und Körperkontrolle von netten Altrockern bedient
- Trotz internationaler Erfolge stimmen die Jungs ihre Gitarren noch selbst
- Die erste Reihe war zusammen genommen in etwa so alt wie der Türsteher
- Die rote Bionade schmeckt nach Apfelsaft
- Thomas D. ist unter die Schlagzeuger gegangen
- Langhaarige Stammgäste aus den 80ern sind nach wie vor die beste Unterhaltung
* Weiß eigentlich jemand von euch Musik-Nerds woher der Bandname stammt? Na? Ich sag´s nicht…!
** Diese Einschätzung stammt ursprünglich übrigens nicht von mir. Gleich wenn ich sie voll teile!