You are not The Hives

The Hives werden berühmt. Endlich und definitiv. Hat man das jüngste Werk “The Black and White Album” (eine gewohnt herrlich größenwahnsinnige Beatles- Remineszenz im Titel) auf den Ohren, kann gar kein Zweifel aufkommen.

Dabei ist die Scheibe zunächst die konsequente, wenn auch schnelle Fortentwicklung der letzten Platten:

Deutete sich bereits spätestens mit “Tyrannosaurus Hives” die Popwerdung der Krawallbrüder an, sind die Lieder, die sich anstatt mitgröhlen tatsächlich mitsingen lassen nun schon klar in der Mehrheit.

Leider wird dabei der Bogen allerdings bereits das ein oder andere Mal überspannt, etwa bei der Teenie-Kreisch-Einlage von “Try it Again” oder dem komisch achtzigerhaften, glamourtriefenden “Giddy Up”.

Klarer Hinweis für die zunehmende Top-Of-The-Pops- Kompatibiltät sind aber auch die Kooperationen, die für das neue Album eingegangen wurden:

Bewies schon die mit Hip-Hop-Superstar Timbaland gemeinsam aufgenommene Single “Throw It On Me” die wachsende Aufmerksamkeit, die dem Quintett mittlerweile auch international zuteil kommt, wird der (internationale) Ruhm durch Aushilfsproduzenten wie Pharrell Williams (die eine Hälfte der Neptunes, Solokünstler und N.E.R.D) oder Jacknife Lee (Bloc Party-Produzent) nun zusätzlich gemehrt.

Ob das allerdings immer der Qualität zugute kommt, sei mal dahin gestellt: Insbesondere das von Williams produzierte “T.H.E.H.I.V.E.S”, welches schon fast an die Scissor Sisters erinnert, lässt sich mit den alten Werken der Schweden kaum noch vereinbaren.

Fast zu kurz kommen dafür auf dem Album die ordentlichen Mitgröhlhymnen á là “Abra Cadaver”, “A Little More For Little You”, oder dem großartigen “Die All Right”. Lediglich “Tick Tick Boom” oder “Return To The Favour” kommen hier noch in die Nähe.

Von ungebremsten Unterhaltungswert zeugt allerdings nach wie vor das Booklet: Nicht nur dass im Line-Up den Namen jeweils ein “His Royal Highness Prince” vorangestellt ist, ganz besonders gut gefällt mir der Hinweis “W. Churchill says: ‘Never before have The Hives done so much for so many’” – was ganz nebenbei meine Einschätzung der Platte unterstützt und mich so zu meinem Fazit führt:

Wem “The Hives” bislang zu dreckig waren (= viele?), dem wird das Album sicher gefallen. Mir ist das an manchen Ecken zu glatt, es fehlen die Kanten, es fehlt das “Gemosche”, kurz: es fehlt das, was “The Hives” von den tausend Poprockern da draußen bislang unterschieden hat. Sicher, das Album ist kein schlechtes – aber eben keins, was ich mir unbedingt von dieser Band gewünscht hätte, keines das vom Hocker haut, keines das polarisiert. Statt “The Black And White Album” hätte “The Grey Album” hier wohl besser gepasst…

P.s.: Die Überschrift entstammt übrigens einem “Sugarplumfairy”-Auftritt: Ein Konzertnachbar, ebenso genervt wie ich vom heillosen Rumgepose der Hosenscheißer hatte diese Worte lauthals in Richtung Bühne gebrüllt.

P.P.s.: Eigentlich hätte dieser Post bereits vor 6 Wochen entstehen sollen – CD-WOW sei dank hat mich die Platte trotz Vorbestellung erst heute erreicht. Das war das letzte Mal…!

The Hives: The Black and White Album
Erschienen am: 10.10.2007
Label: Interscope (Universal)

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  1. Pingback by Dumm klickt gut » Blog Archive » Listen! | 12/31/07 at 5:06 pm

    [...] The Hives – The Black And White Album Manchmal überrasche ich mich selbst: Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich in der Manier eines Ewiggestrigen den Verlust der Hives-Haftigkeit beweint, mich gegen die [...]


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