Tanz, Deutschland, tanz!
Nach sechs Jahren Abstinenz feiert sich Manu Chao mit verkleinerter Band (deswegen der neue Albumtitel “La Radiolina”?) ja gerade durch Deutschlands Hallen. Das dritte Konzert der Tour fand am Donnerstag in der ausverkauften Jahrhunderhalle statt, einer Location, die sicher nicht zu meinen “Top-3″ zählt, aber kleiner geht´s in diesem Falle halt nicht.
Logistische Probleme gab´s allerdings entsprechend beim Getränkeverkauf: Von drei Flanken mussten wir gleichzeitig angreifen, um letztlich doch noch vor Konzertbeginn wenigstens ein kurzes Bier zu ergattern. Aus meiner Sicht unverständlich, wie man mehrere tausend Besucher mit gerademal fünf Personen pro Stand (bei einem Stand pro Ebene) adäquat bedienen will…!
Los ging´s dann mit einer deutsch-multikulturell geprägten Hip-Hop- Band – und mit Dosenmusik vom Band. Insgesamt leider oft zu krachig, nicht selten ein wenig prollig und stellenweise fast schon peinlich. Ein wenig schade war es dann allerdings doch, dass sich die Band aufgrund von Pfiffen vorzeitig verabschieden musste – das hat eigentlich kein Künstler verdient.
Um 20 vor Neun schlug dann die Stunde Manu Chaos. Vom ersten Stück weg lieferten die insgesamt sechs Personen (wie gesagt: verkleinerte Besetzung – 2001 waren´s noch 12) ein Programm, was selbst die letzten Reihen der Sitzplatztribüne nicht auf den Stühlen hielt. Wie bereits bei meinem ersten Konzerterlebnis bestätigte sich die Energie, mit der die Kollegen zu Werke gehen.
Lustig ist dabei das Phänomen, was ich noch aus meinen eigenen Bandzeiten kenne: Man nehme ein beliebiges Stück aus dem eigenen Repertoire, behalte Harmonien und Text und mosche in Speedmetal-Manier als gäbe es kein Morgen. Eine kindliche Freude scheint das Manu Chao allerdings nicht nur in den Proben zu bereiten, beschriebenes Verhalten zieht sich durch das gesamte Bühnen-Programm. An sich kein schlechter Schachzug: Das Publikum kennt die Lieder, kann sofort mitsingen und das schnelle Spielen hält die Partystimmung hoch und die Tanzmaschine am Laufen. Außerdem machte es stets den Eindruck, dass auch die Band einen riesen Spass dabei hat.
Zeit für großartige Ansagen bleibt dabei nicht, was Manu und Konsorten auch entgegen kommt: Gibt sich der sonst nicht gerade mundfaule Franko-Spanier im Umgang mit der englischen Sprache ohnehin stets ein wenig schüchtern.
So reiht sich ein Stück an das nächste, ziemlich genau in der Mitte wird dann über mehrere Einheiten das Tempo gedrosselt und die E-Gitarre gegen die Akkustikklampfe getauscht, nur um im Anschluss daran wieder Fahrt aufzunehmen.
Textlich vereint Manu Chao Reminiszenzen an Bob Marley (“Mr. Bobby”) und Diego Maradonna (“La Vida Tombola”) mit politischen Themen wie der Einwanderungsproblematik Mexikos (“Clandestino”) oder Liebeserklärungen an süd- und mittelamerikanische Länder und (ähäm) Kulturen (“Me gustas Tu”).
Erstaunt nahm ich zur Kenntnis, dass nicht nur sein “Superhit” (sorry…) “Bongo Bong” nicht gespielt wurde, auch auf die aktuelle Single “Rainin in Paradize” wartete man vergeblich. Wahrscheinlich war Manu hier einfach der weltweite Hype mal wieder zu viel.
Wie viel Spass die Konzerte dem Publikum und der Band jedes mal wieder bereiten, konnte man schließlich an der Anzahl der Zugabe-Durchläufe ablesen. Insgesamt fünfmal kündigte die Multi-Kulti-Truppe ihren Abschied an, bevor sie sich nach gut zweieinhalb Stunden dann tatsächlich verabschiedete.
Ich stand fast ganz hinten – und war am Ende trotzdem durchgeschwitzt.