Shotters Nation
“What a nice day for a murder
You call yourself a killer but the only thing you´re killing is your time
There´s nothing absurder
Than a bird that´s a burden to your heart, soul, body, spirit and mind”
Babyshambles: “Lost Art Of Murder”
Der nach den zahlreichen Skandalen wohl problemlos als “Britney Spears des Britpop” durchgehende Pete Doherty hat zusammen mit seinen anonymen Freunden von Babyshambles tatsächlich mal wieder was Produktives geleistet: Seit vergangener Woche steht das neue Werk der Band um den Brown Sugar- und Kate Moss- Liebhaber unter dem Titel “Shotters Nation” in den Läden.
Außer dem Albumtitel, über dessen Bedeutung ich seither rätsele, hat sich “auf das erste Ohr” zunächst wenig geändert – trotzdem ist das Album ein völlig anderes als noch das Erstlingswerk aus dem Jahre 2005:
Bereits beim ersten Stück der Platte “Carry On Up The Morning” fällt auf, dass die Produktion im Vergleich zu “Down in Albion” homogener geworden ist – ein Schritt den ich durchaus begrüßen kann. Führte die etwas rauhe Tongestaltung im Zusammenspiel mit Dohertys extravagantem Songwriting und seiner (bewusst?) eigenen Interpretation von Gesangsharmonien auf dem Erstlingswerk noch dazu, dass man stellenweise annehmen konnte, dass man sich schlicht keine Mühe gegeben hat, hört sich das auf “Shotters Nation” irgendwie stimmiger und runder an – irgendwie wieder mehr nach “The Libertines”.
Ein Eindruck, der sich auch im Songwriting zu bestätigen scheint: Gleich das zweite Stück, die Single “Delivery”, ist ein Hammer: Nach ordentlichem Sleaze-Gitarren-Einstieg und einer Strophengestaltung, in der man (leider vergeblich ;-) nur auf den Einstieg Carl Barats* wartet, gehen im Refrain Herz und Sonne auf, wie lange nicht mehr. Und auch das Folgestück “You Talk” erinnert mehr an alte Libertines-Zeiten, denn an die Babyshambles, wie man sie bisher kannte.
Doch als wäre sich Doherty selbst der aufkommenden Nostalgie bewusst, bietet er dieser nach einigen eher klassisch gehaltenen Rock´n´Roll-Reminiszenzen auf die 70er (mit Schweineorgel!) gleich wieder Einhalt: Als wollte er selbst darauf hinweisen, dass wir hier nicht das dritte Libertines- sondern das zweite Babyshambles-Album in den Händen halten, zitiert er in “Unstookie Titled” textlich wie musikalisch das Erstlingwerk der Band u.a. mit expliziten Verweisen auf die Single “Fuck Forever”.
Außerdem hervorzuheben sind neben dem grandios swingenden “There She Goes”, das seltsam anmutende “French Dog Blues”, sowie das oben bereits zitierte “Lost Art Of Murder” – die fast schon obligatorisch abschließende Ballade von “Shotter´s Nation”, dem durchaus selbstkritische Textzeilen auf Lebensinhalt und -wandel zu entnehmen sind.
Fazit: Pete Doherty kann´s immer noch. Wenig “Zeitverschwender”, einige fast meisterhaft locker daherkommende Indiekracher und Stücke, die in der Doherty-eigenen Art intoniert musikalisch wie textlich tatsächlich noch berühren.
Wenn er sich also künftig wieder mehr auf das Wesentliche konzentriert und Kate Moss den Hungerhaken sein lässt, der sie nunmal ist, vielleicht außerdem wieder entweder trinkt oder ohne Führerschein fährt, bekommt seine Musik vielleicht irgendwann doch noch die Aufmerksamkeit, die Meisterwerke wie diese eigentlich verdienen.
* seines Zeichens der zweite Ex-Kopf der Libertines und nunmehr Frontmann der “Dirty Pretty Things” – für die Unwissenden unter euch ;-)