King of Rock´n´Rollstuhl

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Elvis, unser aller König des Rock´n´Rolls, ist nicht tot (Überraschung).

Stattdessen lebt, nein vegetiert er, seit einer halben Ewigkeit und mit einem eitrigen Furunkel am Gemächt in einem Altersheim irgendwo in der texanischen Provinz (nehmen wir mal an, Ursache hierfür wäre ein Rollentausch mit einem Elvis-Imitator aufgrund eines Burn-Out-Syndroms und einer Bühnenmüdigkeit, dessen vertraglicher Nachweis bei einem Grillunfall allerdings abhanden gekommen ist und so eine Rückkehr ausgeschlossen hat).

Gehen wir außerdem davon aus, dass der beste Freund des Kings nunmehr John F. Kennedy ist, der an Verfolgunswahn leidet, eigentlich Jack heißt, schwarz ist (”Da kann man mal sehen, welche Energie die aufgewendet haben, um mich unschädlich zu machen - von Kopf bis Fuß eingefärbt”) und ebenfalls im gleichen Altersheim seinen Lebensabend verbringt.

Wenn wir nun noch zusätzlich annehmen, dass die Altersruhestätte von einer altertümlichen Mumie mit Cowboyhut heimgesucht wird, die über das Rektum alter Leute sich deren Seele bemächtigt, sind wir am perfekten Plot für einen Film.

Glaubt ihr nicht? Trotzdem wahr: “Bubba Ho-Tep” heisst der Film, der ein herrliches Stück schönen Underground-Kinos darstellt, in seinen besten Momenten mich irgendwie an Dürenmatts Physiker erinnert und ansonsten sich irgendwie zwischen “Snakes on a Plane” und (vor allem sprüchemäßig) “Pulp Fiction” bewegt.

Großartige Szenen, wie der Kampf zwischen Elvis - bewaffnet mit einer Gehhilfe und einer Bettpfanne - und der Ausgeburt des Bösen reihen sich hier an tiefsinnige Dia- wie Monologe (”….wenn es so wär´, würde ich die Beule nach meiner Ex-Frau Priscilla benennen und mir so lange einen runterholen, bis sie platzt - zumindest bilde ich mir das gerne ein. Die Wahrheit ist: Ich hatte seit 10 Jahren keinen Ständer mehr”).

Schauspielerisch überzeugt hier vor allem Bruce Campbell (den ich bislang v.a. aus “Army of Darkness” in Erinnerung hatte) in der Rolle des Elvis. Außerdem gefällt die hohe Detailliebe, bspw. wenn Kennedy mit einem roten Telefon telefoniert. Zusätzlich bewahrt sich der Film trotz des schwarzen Humors durchaus ernste Momente, insbesondere in Bezug auf das “Altwerden” und die einhergehende Einsamkeit in den Verwahrungsanstalten für alte Menschen.

Wer sich also nicht vor Low-Budget-Produktionen fürchtet und die entsprechende Resistenz (bzw. Vorliebe) gegenüber bösartigem Humor mitbringt, sollte diesen Film aus meiner Sicht gesehen haben. Auch wenn die Story manchmal ein wenig hängt und Zusammenhänge nicht immer ganz klar werden (was zur Hölle soll eigentlich die Riesenkakalake?), habe ich mich lange nicht mehr so gut unterhalten gefühlt.

2 Responses to “King of Rock´n´Rollstuhl” »»

  1. Comment by Torsten | 09/19/07 at 8:59 am

    Völlig unrealistisch der Film: Elvis lebt zwar, soweit richtig, aber er arbeitet als Burgerbrater in Des Moines, Iowa.

  2. Comment by Arne | 09/21/07 at 10:52 am

    Ha, richtig, genau so sieht’s aus. Amen, Bruder, äh, Omen vielmehr, ein gutes Omen sogar. :-)

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