Einfaltspinsel

Mal wieder etwas übermotiviert von mir: Ich hatte mir ja bereits seit Wochen vorgenommen, eine bis dato noch sehr weiße Wand in meiner Wohnung künstlerisch zu verschönern - oder zumindest irgendwie mit irgendwas zu füllen. Dieses Wochenende war´s dann soweit: Ich hatte mir ´nen Beamer geliehen, Farbe und Pinsel besorgt. Es konnte also losgehen.

Fehlt nur noch das Motiv. Zunächst tendierte ich zum klassischen “Blues Brothers”-Scherenschnitt. Allerdings hatte ich das ja bereits auf meinem ersten Auto als Aufkleber (ebenfalls handgefertigt, na, wer erinnert sich?), zum anderen muss ich wohl zugeben (gell, Frank?), dass die “Blues Brothers” hierzulande schon fast etwas Volkstümliches haben: Irgendwie findet sie jeder gut (da fällt mir doch gleich dieses T-Shirt zu ein…)

Also was Anderes. Hmmm, wir hätten da: “Max Payne” - zwar geiler Scherenschnitt, aber irgendwie albern. “Reservoir Dogs” - eigentlich ganz cool, aber für die Wohnung vielleicht doch etwas zu martialisch. Simpsons-Figuren (hier wäre mein Favorit ein “Fat Tony”-Motiv), zwar zeitlos, aber irgendwie auch zu Mainstream (vor allem aktuell!). Alte Videospiele (Space Invaders & Co.) - wirken an der Wand ziemlich kindisch. Beatles, Stones, The Doors & Co: alles nicht wirklich originell.

Schließlich bin ich eher zufällig über “Lucky Luke” gestolpert. “Der Mann der schneller zieht als sein Schatten” - wenn das mal nicht passt! ;-) Das passende Bild wäre dann ja wohl auch das, auf dem er seinen Schatten erlegt (war immer hinten auf dem Einband - weiß sogar der Asterixleser). Kurz gegoogelt und tatsächlich in anständiger Auflösung gefunden - das kann was!

Allerdings wurde ich sofort vor das nächste Problem gestellt: Das Motiv ist eher längs ausgerichtet, die zu füllende Fläche hat jedoch deutlich Querformat. Also nochmal kreativ werden. Kurz mit dem Gimp Schatten vervielfältigt und ein paar kleine (aber feine) Variationen eingebaut.

Im nächsten Schritt ging´s dann erstmal an´s Auftragen der Umrisse. So weit ganz easy: Beamer an, Bleistift gespitzt und Umrisse nachgezogen. Happig wurde es dann jedoch beim Auftragen der Farbe - mit dem Pinsel. Hier braucht´s etwas, das ich im Gegensatz zu unserem Ex-Kanzler (und russischem Propagandaminister im Exil) ziemlich sicher nicht habe: eine ruhige Hand. Wer zum Teufel kann eigentlich wirklich damit umgehen? Und warum will man das überhaupt? Für was gibt´s denn eigentlich Stifte? Entweder malt man über die Markierung hinaus (klarer Fall von fehlender Spitze - ist halt eben kein Stift) oder man schmiert mit einzelnen Borsten nach *Argh*. Entsprechend hat mich das Werk dann auch über sechs Stunden und 27,4 Mio Nervenzellen (geschätzt!) bis zur Fertigstellung gekostet. Das hatte ich mir irgendwie einfacher vorgestellt. Allerdings hatte ich, autodidaktisch und notgedrungen, nach ca. 5,9 Stunden (als ich also fertig war!) tatsächlich den ein oder anderen Kniff zur Optimierung im Umgang mit dem Pinsel erlernt (…es war eine harte Schule).

Und das Ergebnis (abfotografiert von meiner Wand) ist nun hier hochexklusiv zu bewundern. Schlechte Nachrichten für evtl. Kaufinteressenten: Wer´s erstehen möchte, muss leider die ganze Wohnung mit dazu nehmen: Gebote ab 200.000 EUR werden angenommen (mal seh´n, was mein Vermieter dazu sagt…).

Und das nächste Mal werden dann lieber wieder grobmotorikerfreundliche Rechtecke gemalt!

cimg1379.JPG

7 Responses to “Einfaltspinsel” »»

  1. Comment by Arne | 07/29/07 at 5:23 pm

    Hui, schick!

  2. Comment by Anita | 07/29/07 at 7:25 pm

    Wie versprochen mein erster Kommentar: Ich bin stolz auf Dich - Super Idee.

  3. Comment by Jana | 07/30/07 at 9:18 am

    Nicht schlecht. Aber bei den Schwarzen hätten die Hüte nicht fliegen dürfen …, oder?

  4. Comment by Torsten | 07/30/07 at 10:36 am

    5.9 Stunden. Einen so langsamen Schatten hast du also…:-)

  5. Comment by Joachim | 07/30/07 at 8:08 pm

    @Jana: Hier die Bilderklärung:

    Bei den beiden Schwarzen (nein: nicht die Hautfarbe ist gemeint!) sind die
    Schüsse vorbei gegangen - die haben sich nur erschrocken (deshalb der
    hochgehende Hut), während es den Roten leider erwischt hat.

    Wohlgemerkt: Den realen Lucky Luke hat´s erwischt, nicht den Schatten -
    deshalb fällt ihm ja auch die Kippe aus dem Mund (würde beim Schatten doch
    gar keinen Sinn ergeben…!).

    Das Loch im Bauch ist also im Gegensatz zum Original kein Loch in der Wand
    (na hör ma´: Meine schöne Wand!), sondern der fehlende Schatten vom Loch
    im Lucky Luke (ääh?!).

    Also das Fazit:

    a.) zweimal der Mann, der schneller zieht als sein Schatten - aber ein
    miserabler Schütze ist (schwarz) und
    b.) einmal der Schatten, der schneller zieht als sein Mann (rot)

    is doch ganz klar :o)

  6. SeM
    Comment by SeM | 07/31/07 at 7:37 pm

    ich bin begeistert und überaus stolz auf dich - hast du doch tatsächlich richtig selbernt hinbekommen :-)
    nicht so wie damals, beim hypnotisierend-roten teppichbodenverlegen in DA…

  7. Comment by Steve McNail | 08/01/07 at 1:09 am

    reschpeggt reschpeggt! Scheint ja gut auszusehen. Werde mir am WE noch die Qualität in der Detailansicht ansehen (irgendwo muss doch hier meine Lupe noch sein) :o)

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